1. Fortbildungstag Intensivbeatmung- Komplikationsvermeidung und Menschlichkeit

Pflegende sind „Augen, Ohren und Hände der Ärzte“ im außerklinischen Alltag


Berlin, 01.04.2015. Das Centrum für Gesundheit (CfG) und die PflegeZukunfts-Initiative hatten zum ersten gemeinsamen Fortbildungstag der Praxis für außerklinische Beatmung  eingeladen. Mit zahlreichen Pflegekräften ambulanter Pflegedienste, die in der Intensivbeatmung tätig sind, wurde hier ein reger Austausch geführt.

„Mein größter Wunsch ist, dass Pflege mehr Selbstbewusstsein entwickelt“, so Dr. Eckehard Frisch, Facharzt für Innere Medizin/Pneumologe in der Praxis für außerklinische Beatmung am CfG, während der Veranstaltung in den Räumen  der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Elimar Brandt, Vorstandsvorsitzender der PflegeZukunfts-Initiative, setzte sich in seiner Anmoderation gleichermaßen dafür ein.

35 Pflegekräfte von 14 Pflegediensten nutzten den Fortbildungstag, um ihr Wissen in Bezug auf  das Vermeiden von Komplikationen für Patienten mit PEGs/PEJs (Magensonden) und Trachealkanülen aufzufrischen. Angeregte Diskussionen wurden zu den ethischen Gesichtspunkten von enteraler Ernährung und Beatmung geführt.  Menschlich angemessener Umgang müsse wieder in den Vordergrund der Pflege gerückt werden, um die alltäglichen Herausforderungen von Pflegenden adäquat zu würdigen.

Prof. Matthias Pirlich,  Experte zum Thema enterale Ernährung und Chefarzt der Inneren Abteilung der Evangelischen Elisabeth Klinik in Berlin, stellte den Operationsprozess zum Einsetzen von PEGs/PEJs (Magensonden) und deren Indikationen vor. Anhand zahlreicher Fotos wies er auf Komplikationen hin und diskutierte ausführlich mit den Pflegekräften adäquate Maßnahmen in der Nachsorge, um diesen vorzubeugen. Auf Grund der geringen Überlebensrate von stark dementen Patienten stellte er zusammen mit Dr. Eckehard Frisch die ethische Sinnhaftigkeit und Zumutbarkeit von PEGs für diese Fälle in Frage, betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit von Entscheidungen in jedem einzelnen Fall. Zahlreiche Teilnehmer bestätigten, dass Angehörigengespräche eine große Herausforderung darstellen, insbesondere in Fällen ohne Patientenverfügung.

Zum Thema Sekretmanagement sprach  Nadine Scheer, Atmungstherapeutin in der Praxis für außerklinische Beatmung am CfG: Man solle sich nicht allein auf Messwerte  verlassen, sondern die persönliche Beziehung und Kenntnis des Patienten aktiv  nutzen. Nadine Scheer bemängelte außerdem das leichtfertige Verabreichen von Sauerstoff und propagierte einen sensiblen Umgang mit Sauerstoffgeräten. Auf Grund der Verbesserung der Lebensqualität von Patienten durch den so genannten Hustenassistenten sprach sie sich deutlich dafür aus, diesen unter Hausärzten bekannter zu machen und häufiger in der Praxis einzusetzen. Dr. Eckehard Frisch führte anschließend die Komplikationen und Empfehlungen der Tracheostomapflege auf und ging auf Besonderheiten im Falle von chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) ein.

Das große Entwicklungs- und Verbesserungspotenzial des Pflegesektors wurde durch geplante Studien und Innovationen während des „Berichts aus der Praxis“ von Dr. Eckehard Frisch deutlich. Sein Vorschlag für eine Studie zu Erfahrungen von Pflegekräften mit Notarztwagen (NAW)-Ärzten stieß auf breites Interesse bei den Anwesenden. Viele betonten nachdrücklich, dass sie sich von NAW-Ärzten wiederholt „respektlos“ behandelt gefühlt hätten. Um NAW-Ärzten einen besseren Einblick in die alltäglichen Herausforderungen im Pflegealltag zu ermöglichen, stellte er  Kooperationen in Aussicht. Außerdem schlug  Frisch eine Studie zu Patienten mit Dekubitus nach einem Krankenaus-Aufenthalt vor, da seiner Meinung nach im Falle von Komplikationen viel zu häufig den Pflegenden „der schwarze Peter zugeschoben“ würde. Ein weiteres zukünftiges Vorhaben sei die Hinzuziehung von Fallmanagern der Krankenkassen, um die Zusammenarbeit zu optimieren.

Der nächste „Fortbildungstag außerklinisch beatmete Patienten“  der PflegeZukunfts-Initiative mit den Kooperationspartnern ist  für September 2015 angedacht. 


Ansprechpartner und Pressekontakt:

PflegeZukunfts-Initiative e. V.
Mag. theol. Elimar Brandt (Vorsitzender)
Tel.: 030 451 988 950
Internet: www.pflegezukunfts-initiative.de
E-Mail: info@pflegezukunfts-initiative.de

 

 

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